Früher sang ich oft ein Lied, ich besang ein Mädchen, einst liebte ich ein Mädchen, sang ich, doch in Wahrheit liebte ich einen Jungen, ich hielt ihn für einen Mann, auch vor ihm sang ich, doch er konnte mich nicht hören, die Melodie nicht spüren und dann zerbrach ich langsam, fast genüsslich, hingebungsvoll trieb ich ins Feuer, ich wollte brennen, mit Haut und Haaren. Der Rauch meiner Wut, meines Muts, meiner Leere, meiner Liebe sollte zum Himmel emporsteigen wie etwas, das man nicht halten kann, das einem durch die Finger rinnt, Morgentau, Wasser wenn man sehr durstig ist, oder wie ein trockenes Laubblatt, das sich nicht falten lässt, es lässt sich nicht verbiegen und wählt die Erlösung; zerfällt. Sie sollten um mein Feuer stehen, sich ein letztes Mal an meiner Liebe wärmen, vereint wie eine Familie, meine Nähe spüren, ein Lied auf mich singen, für mich, [vor mir,] nach mir, so wie ich zuvor vor ihm gesungen hatte, und mein Duft sollte in ihre Poren kriechen, vor allem aber in seine.

Was nur war so falsch an mir gewesen, dass er mich nicht lieben konnte, wollte, was stimmte nicht mit ihm, was nicht mit uns, dass wir uns fast reglos gegenseitig beim Sterben zusahen. [Er war mein Monopol, die Mitte meiner Welt und irgendwie war ich wohl sein Gegenpol.] Ich hatte es versucht und versucht, zu akzeptieren und damit zu leben, mit seinem Fehlen, doch immer wenn ich es gerade fast geschafft hatte, sprang er zurück zu mir und reservierte ein Zimmer in meinem Hotel, weil er auf dem Highway unterwegs war und gesehen hatte, dass die Reklame leuchtend ein warmes Bett versprach. Er reservierte ohne Frühstück und bezahlte gleich an Ort und Stelle mit dem Vertrauen, das ich ihm geschenkt hatte, doch er checkte nicht mal ein. Nacht um Nacht stand ich alleine da, ein reserviertes Hotelzimmer, in dem keiner wohnt, und so verrottete ich elendig, während auf der Straßenseite die Reklame immer weiter leuchtete.

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Autrefois souvent, je chantais une chanson